Tirol 2013 -> Bericht: Kurztrip in die Berge |
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Um 03:30 Uhr klingelt der Wecker. Eigentlich Zeit sich nochmal umzudrehen und sich den süßen Träumen hinzugeben. Doch halt, der Berg ruft! Wie (fast) immer starten Reini und ich um 04:00 Uhr zum Biken Richtung Süden, diesmal nach Schwaz in Tirol. Die Autobahn ist frei, nur einige Baustellen sind zu meistern. In Nesselwang folgt das obligatorische Frühstück, soviel Zeit muss sein. Um 08:00 Uhr erreichen wir das Hotel und können sogar sofort das Zimmer beziehen. Rasch sind wir umgezogen und bauen die Räder zusammen. Die heutige Tour soll uns zum Loassattel hinauf führen. Zunächst jedoch drehen wir eine kleine Runde durch den Ortskern und nehmen in einer Bäckerei das zweite Frühstück zu uns – ohne Mampf kein Kampf. Oberhalb von Schwaz liegt das Schloss Freundsberg. Eine steile Straße führt hinauf, der Kaltstart tut unseren Beinen nicht gut, aber wir haben es ja nicht anders gewollt. Vom Schloss aus schweift unser Blick über das Inntal und das gegenüber liegende Karwendelgebirge. Viel ist von den Bergen nicht zu sehen, dunkle Wolkenfetzen vernebeln die Sicht. Wir arbeiten uns weiter den Schlingelberg hinauf, die Steigungsanzeige im GPS schwankt ständig zwischen 15 und 18 %. Dann hört endlich der Teer auf und wir pedalen auf Schotter weiter. Das erleichtert das Treten ungemein (Scherz!) Ab und zu fallen ein paar Regentropfen, die unseren Auftrieb jedoch nicht bremsen können. In Grafenast kehren wir ein und trinken einen Milchkaffee. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn schickt ein Schauer seine feuchten Boten in Richtung Erde. Wir sitzen im Freien unter einem Dach und vertreiben uns die Wartezeit mit einer jungen Katze, die sich neugierig zu uns gesellt hat und mit uns kuscheln möchte. Nach der Zwangspause durchqueren wir eine Gegend, die Wochenendsiedlung heißt, von da an wird es einsamer am Berg. Als wir die 1.500 Meter Marke passieren, kündigen laute Donnerschläge ein Gewitter an. Ein paar Meter weiter vorne sehen wir ein paar Hütten stehen. Eine davon hat ein kleines Vordach, das uns vor den Niederschlägen schützen soll. Wir parken die Räder an einem Brunnen davor und stellen uns unter. Dann geht der Zauber auch schon los. Der Regen prasselt wie wild herab, schließlich müssen wir uns sogar auf die winzige Bank unter dem Vordach stellen, damit wir nicht nass werden. Nach ca. 20 Minuten ist der Spaß vorbei und wir strampeln weiter den Berg hinauf. Wir passieren die Gasthöfe Loas und Gamsstein und erreichen danach den 1.675 Meter hohen Loassattel. Einige Wanderer kommen gerade von der Naunzalm herab und sind klatschnass. Da hatten wir mit unserem Unterstand mehr Glück. Auf dem Rückweg stoppen wir am Gasthof Loas und befriedigen unseren Durst mit einem zünftigen Radler. Da die Temperatur durch das Gewitter auf 15°C gesunken ist darf auch noch eine heiße Suppe in unsere Mägen wandern. Während der Abfahrt ins Tal, wirbelt der Dreck vom Waldboden bis in unsere Gesichter hinauf. Wir sehen wieder aus wie … Da wir nicht die gleiche Strecke hinab fahren wollen, biegen wir bei der Wochenendsiedlung Richtung Hinterhoflach ab. Nun rollen wir auf einer Straße ins Inntal zurück - hier spritzt auch der Dreck nicht mehr so hoch. Vom Katzenstall aus sieht man erst, wie hoch wir auf den Berg hinaufgestiegen sind. Der Rest der Abfahrt verläuft unspektakulär, aber natürlich schneller als der Aufstieg ;-). In Schwaz machen wir einen kleinen Umweg und schauen wo der Bahnhof ist. Denn die morgige Tour startet mit einer Bahnfahrt. Zurück in der Unterkunft erfrischen wir uns im hoteleigenen Pool und betten unsere müden Glieder auf den Liegestühlen zur Erholung aus. Pünktlich um 08:05 Uhr kommt unser Zug am Bahnhof an. Wir schnallen die Räder an den Stellplätzen fest und lassen uns Richtung Innsbruck fahren. Komischerweise sehen wir Seefeld, unseren geplanten Zielort, nicht auf dem ausgehängten Streckenplan im Zug. Nach einer Weile finden wir ihn dann doch, aber an einer anderen Strecke als gedacht. Bei den Recherchen im Internet stand nichts von Umsteigen. In Innsbruck steigen wir aus und erkundigen uns an einem Auskunftsschalter. Der gute Mann meint, dass der nächste Zug, der Fahrräder mitnehmen kann, erst um 12:26 Uhr fährt - wir haben gerade mal halb neun durch. Plan B muss her. Unser Zug steht noch draußen, also steigen wir gleich nochmal ein und fahren zwei Stationen weiter, bis Völs. Hier wollen wir an einer Tankstelle eine Landkarte besorgen, doch es gibt dort nur Karten für die Toskana! Wir bekommen den Tipp, es hundert Meter weiter im Einkaufszentrum zu versuchen, jedoch öffnen die erst um neun Uhr. In der Zwischenzeit orientieren wir uns auf den winzigen Displays unserer GPS-Geräte. Das nächste Mal müssen wir unbedingt richtige Landkarten mitnehmen! Natürlich sind wir ein paar Stationen zu früh ausgestiegen. So fahren wir mit den Rädern Richtung Zirl weiter. In Kematen fragen wir in einem Trafik nach Landkarten, doch dort gibt es auch keine. Zumindest sagt uns der gute Mann, dass der Zirler Berg für Fahrräder verboten sei und wir über Telfs nach Seefeld fahren sollen. So biegen wir bei Unterperfuss auf den Inntalradweg ein und strampeln bis nach Telfs. Ab Telfs steigt die Straße Richtung Seefeld hinauf. Die Steigung ist weit im zweistelligen Bereich, so kommen wir nur langsam vorwärts. Was hier extrem nervt, ist das Verhalten der Autofahrer. Sie überholen oft so dicht, dass einen der Luftzug fast in den Graben oder in die Leitplanke schiebt. An jedem Radweg in Österreich steht ein „Verhaltenscodex für Biker“, ein Verhaltenscodex für Autofahrer wäre wohl eher angebracht! Das habe ich schon auf früheren Radtouren durch Österreich festgestellt. In Mösern stoppen wir für eine kurze Rast und um das weitere Vorgehen zu besprechen. Es geht auf 12:00 Uhr zu und wir sind noch nicht einmal am eigentlichen Startpunkt in Seefeld. Ab Seefeld geht es dann nochmal über 80 Kilometer weiter auf Wanderwegen durch das Karwendelgebirge. Das schaffen wir heute nicht mehr, wir müssen unsere Pläne ändern. So fahren wir erst mal zum Möserer See weiter und danach auf schönen Waldwegen nach Seefeld. In Seefeld essen wir eine Suppe, bestaunen die zahlreichen Touristen im Ort und planen weiter. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, also wollen wir ins Tal hinunter und auf dem Inntalradweg nach Schwaz zurück. Vorbei am Wildsee erreichen wir Auland und finden dort den Einstieg in eine enge Schlucht. Auf steilen Wegen holpern wir hinunter und erreichen bei Eigenhofen wieder flachere Gefilde. In Zirl wechseln wir auf die südliche Innseite und biegen dort auf den Inntalradweg ein. Dieser führt eine ganze Weile direkt an der Autobahn entlang, mit entsprechender Geräuschkulisse. Bei Völs weichen wir von der Route ab und suchen uns ein nettes Kaffee. Ein Stück Kuchen tut jetzt gut und der Kaffee betäubt die Schmerzen ;-). Nach der Stärkung radeln wir durch Innsbruck, der Radweg führt fast ununterbrochen durch die Olympiastadt. Die Querung ist viel angenehmer, als wir es uns vorgestellt hatten. Hinter der Stadt bläst uns dann eine steife Brise entgegen. Wir wechseln uns mit der Führung und dem Windschatten ab und kommen so rasch vorwärts. In Schwaz sehen wir zwei Mädels mit Eistüten in der Hand. Ich frage die beiden, woher sie das Eis haben. „Wos host gsogt?“, kommt die überraschende Antwort. Mit Händen und Füßen ;-) bekommen wir dann doch noch die gewünschte Auskunft und so gönnen wir uns noch einen (natürlich jeder einen) leckeren Eisbecher, bevor wir die Tour wieder im Pool beschließen.. Fazit:
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