Tennenbronn 2007/1: Bericht zur Tour |
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07:15 Uhr. Ich stehe am Treffpunkt Thomashof, aber Kollege Joachim ist noch nicht da. Anscheinend steckt ihm noch der Dolomitenmarathon in den Knochen und nun kommt er den Berg nicht hoch – letzteres ist eigentlich meine Spezialität ;-) Wenige Minuten später taucht er doch noch auf und wir rollen gemeinsam nach Durlach hinunter. Reinhard steht schon abfahrtsbereit vor der Türe und vertilgt im voraus die erste Banane. Auf Markus und Annegret, unserem charmanten Neuzugang im Tennenbronn-Team, müssen wir auch nicht mehr lange warten. Gemeinsam strampeln wir über Ettlingen nach Malsch. Kurz darauf fahren wir auf einem Teilstück des MÖBS- (Muggensturm, Ötigheim, Bietigheim, Steinmauern) Radweges. Danach geht es „gemischt“ weiter, meist auf einem Radweg, aber auch mal auf der Straße bis nach Achern hinunter. In Renchen legen wir die erste größere Pause ein. Milchkaffee und Zwetschgenkuchen stellen unsere Leistungsfähigkeit wieder her – zumindest reden wir uns das ein. Viele Pedalumdrehungen weiter, unterhalb von Schloss Ortenberg, füllen wir unsere Speicher ein weiteres Mal auf. Diesmal wandern Bananen und Müsliriegel durch unsere Schlunde. Hinter Gengenbach fahren wir auf einem Damm am Ufer der Kinzig entlang. Der Weg ist nicht asphaltiert, das Tal traumhaft schön. Trotzdem schwinden mir so langsam die Kräfte und ich komme kaum noch mit. Bei Haslach stürmen wir deshalb ein Café. Annegret und ich werfen uns zur Schorle noch ein Stück Torte ein, die anderen nehmen nur flüssige Nahrung zu sich. Ab jetzt geht es immer bergauf. Vorbei an den Vogtsbauernhöfen rollen wir auf Hornberg (ja, genau das mit dem Schießen) zu. Bis hierhin war die Steigung kaum der Rede wert. Vor dem eigentlichen Anstieg pausieren wir kurz und ergänzen unsere Trinkvorräte in einem Supermarkt. Dann bringen wir am Berg unsere Muskeln zum Kochen. Trotz höchster Anstrengung meinerseits, sind die Anderen schon bald vor mir verschwunden. Vor zwei Jahren habe ich mich ab Reichbach vom Begleitfahrzeug zum Windkopf hochfahren lassen. Letztes Jahr habe ich zwischendurch schieben müssen. Doch trotz meines geringen Tempos fahre ich diesmal die ganze Strecke hinauf, auch wenn ich dreimal anhalten und mich kurz erholen muss. Damit ist das Ziel für dieses Jahr erreicht und das für das nächste Jahr auch geklärt, nämlich in einem Stück hinauf zu fahren. Nur zwecks der Statistik, Markus war als erstes oben, die anderen Drei folgten kurz darauf. Ich brauchte ca. neun Minuten länger als Markus … Vom Windkopf aus geht es auf Schotterwegen weiter. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und erste Tropfen fallen. Wir überqueren eine Weide und folgen einem glitschigen Wiesenweg bis zum Haus von Reinhards Eltern. Kaum sitzen wir unter dem Terrassendach, gießt es so richtig vom Himmel. Wir sitzen nun im Trockenen und genießen Heidelbeerkuchen, mit von Hand gelesenen Beeren, Zwetschgenkuchen und literweise Kaffee. Leider bleibt Markus der erste Bissen „im Halse stecken“. Er bekommt plötzlich tierische Bauchschmerzen. Mit Tee, Magnesium und guten Worten versuchen wir alle ihn wieder auf den Damm zu bringen. Als der Regen aufhört, fahren wir nach Villingen weiter. „Nur ein paar Kilometer“, verspricht Reinhard. Doch die haben es in sich. 12 % Steigung nach Brogen hinauf stemmen sich unseren leeren Beinen und vollen Mägen entgegen. Völlig ausgepumpt komme ich oben an, wo die anderen schon auf mich warten. Dann geht es stetig bergab. Dem Himmel kommen die Tränen und leichter Regen lässt uns kräftig (so kräftig es nun halt geht) in die Pedale treten. Peterzell und Schoren ziehen vorbei und dann erreichen wir endlich Villingen-Schwenningen. In Villingen kommen wir im „Stadthaus“ von Reinhards Bruder unter. Endlich duschen, endlich etwas Ruhe. Nachdem wir uns alle herausgeputzt haben, geht es Downtown zum Essen. Im Gasthaus Ott werden wir nett empfangen und bedient. Die Speisen sind lecker und nach der Anstrengung verfehlt auch das Bier seine Wirkung nicht. Doch die schmerzenden Lachmuskeln vermag der Alkohol nicht zu betäuben. Nach dem Frühstück satteln wir wieder unsere Räder. Wir radeln nach Bad Dürrheim ins Solemar, um uns dort in Sauna und Schwimmbecken zu erholen. Auch hier kommen unsere Lachmuskeln nicht zur Ruhe. Wahrscheinlich war es in der Sauna noch nie so lustig wie heute - was uns die Bedienung des Schwimmbad-Cafés bestätigte. Nochmals vielen Dank an Anna, für die super Aufgüsse und an Frau Schneider, für die tolle Wassergymnastik - und den Spruch für Reinhard, "... ich bin doch viel zu jung für Sie!" ;-). Nach dem Bad schwingen wir uns wieder auf die Bikes und strampeln nach Villingen zu Moni und Udo, Reinhards Schwester und Schwager. Mitten in Villingen kommt es zu einem fahrerischen Missverständnis zwischen Reinhard und mir. Ich mache eine Schreckbremsung, mein Rad steigt hinten hoch und ich fliege über den Lenker. Das Fahrrad klatscht auf die Nebenfahrbahn und zum Glück bremsen alle Autos rechtzeitig. Etwas benommen sammele ich mein Stahlross auf und rette mich auf den Gehweg. Linkes Knie und linke Schulter schmerzen, Kopf und Hals tun auch weh. Das Rad ist auf das GPS und den Gepäckträger gefallen. Am Navi ist zum Glück nur die Antenne verkratzt und der Träger ist etwas verbogen, sonst kann ich keine Schäden feststellen. Wenige Minuten Später sind wir bei Moni und Udo und werden mit leckerem Kuchen und Kaffee verwöhnt. Während des Schmausens fängt es zu regnen an und das Wetter setzt sich fest. Also heißt es für uns rein in die Regenjacke und unerschrocken zum Stadthaus pedalieren. Durchnässt und etwas frierend freuen wir uns schon auf die heiße Dusche. Wieder frisch und aufgewärmt, stapfen wir an diesem Abend zum Mexikaner. Der bestellte Tisch ist noch nicht frei, so nehmen wir einen Aperitif an der Bar, bis wir endlich an den Tisch gebeten werden. Nach der Fütterung der Raubtiere, kehren wir noch mal beim Ott’s ein. Bei cooler Musik und ein paar Kaltgetränken lassen wir den Tag locker ausklingen. Frühstücken, aufräumen, Klamotten packen. Die schöne Zeit ist (fast) vorbei. Heute geht es wieder Richtung Heimat zurück. Das Wetter sieht nicht gerade einladend aus und meine Knochen wollen nach dem gestrigen Sturz auch nicht wirklich rund laufen. Wir erklimmen wieder den Berg nach Brogen hinauf, von dieser Seite ist er zum Glück nicht so steil. Meine Mitradler machen einen Abstecher nach Tennenbronn, um Reinhards Eltern Schlafsäcke und Handtücher zurückzubringen. Ich mühe meine lädierten Knochen schon mal zum Windkopf hinauf. Dann geht es steil bergab, bis nach Hornberg hinunter. Dort warte ich bis auch die anderen eintreffen, dann radeln wir wieder gemeinsam weiter. Beim Durchmessen des Kinzigtales fängt es wieder an zu regnen. Wir lassen das Tretlager unsere Kräfte (haha ;-) ) spüren und hetzen über den Schotterweg bis Gengenbach. Kaum sitzen wir unter der schützenden Markise eines Cafés, blitzt und donnert es wie wild und sintflutartiger Regen lässt alle Gäste ins Café hinein flüchten. Fast alle, denn wir halten natürlich draußen unterm Stoffdach aus. Glücklicherweise hat uns das Unwetter nicht auf offener Strecke erwischt, da wären wir schön gewaschen worden. Wir nutzen die Zwangspause und vespern ordentlich, was sollte man auch sonst hier machen. Nach gut einer Stunde hat sich das Wetter halbwegs verzogen und wir können weiter. Die nächste Pause legen wir in Bühl ein. Hier wandert bei schönstem Sonnenschein ein leckeres Eis in unsere Mägen. Danach heißt es auf zur letzten Etappe. Kurz vor Sulzbach überholen Markus, Joachim und Annegret ein Pärchen auf ihren Rädern. Reinhard und ich liegen etwa 30 Meter zurück und sehen, wie das blonde Mädel ihren Partner auffordert, unsere Freunde wieder einzuholen. Die geben natürlich Gas und wollen sich nicht kriegen lassen. Reinhard führt mich in seinem Windschatten an die vorderen Gruppen heran. An einer Kreuzung überholen auch wir das Pärchen. Blondie ist sichtlich (eher hörbar) enttäuscht und „schimpft“ mit ihren Freund. Doch die Jagd geht weiter. Wir strampeln wie die Wilden und ich bin sicher kurz vor einem Infarkt ;-), bis die beiden „Jäger“ uns endlich einen Abschiedsgruß nachwerfen, sich für die Hatz bedanken und abbiegen. Wenn die wüssten wie froh ich darüber bin. Lange hätte ich das Tempo nicht mehr halten können ;-) Ausgepumpt kommen wir kurze Zeit später im Vogelbräu in Ettlingen an. Hier trennen sich unsere Wege wieder, aber zuerst lassen wir uns Radler und Weizen schmecken. Kurz bevor wir nach Hause fahren wollen, offenbart sich uns ein „dunkles Kapitel“ in Joachims Leben. Er spielte früher mit dem Geschäftsführer in einer Band ;-) Der hat natürlich nichts Besseres zu tun, als uns noch eine Runde Bier hinzustellen. Ich brauche wohl nicht zu erzählen, dass die restlichen Kilometer nach Hause wohl die schwersten der Strecke waren ;-) An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Reinhards Familie, die uns reichlich mit Kost und Logis verwöhnt hat! Aber noch nicht aufatmen, wir wollen nächstes Jahr wieder kommen ;-) |